Verantwortung Leserbrief
Wenn Herr Wolfgang Schoofs - nur weil es legal scheint- dafür plädiert, ' den' -mit Plastikelpartikeln belasteten- 'Klärschlamm an die Landwirtschaft abzugeben', dann hat er aus dem Plastikskandal offensichtlich nichts gelernt. Wenn wir aber immer wieder nur die Frage stellen, wer Schuld am Plastikskandal in der Schlei sei, dann haben wir nichts gelernt. In unserer arbeitsteiligen Wirtschaft scheint es immer 'legale' Wege zu geben, Sondermüll und andere Altlasten dann doch auf die Äcker oder sonstwo zu bringen. Ich erinnere mich, dass in meiner Gemeinde schon 1994 eine Initiative zur Vermeidung von Plastikmüll ins Leben gerufen wurde, die dann leider sang- und klanglos scheiterte. Mindestens 24 Jahre also ist uns bewußt, wohin diese Plastikvermüllung hinführt, nicht in jedem, nicht im vollen Ausmaß. Aber lebendiges Denken von vielen mit Unterstützung von lobbyfreier Forschung hätte die Problematik der Plastikvermüllung bis hin zu Mikroplastik frühzeitig bewußt machen können. Mit unserem Einkaufsverhalten, unserer Marktmacht und unseren politischen Gestaltungsmöglichkeiten sind wir mitverantwortlich für all die Katastrophen, die uns derzeit fast täglich ereilen. Ob es die risikobehaftete Ausrichtung der HSH-Nordbank war, das Verzocken von Staatseigentum und sozialen Einrichtungen an private Firmen, der Dieselskandal, das Bienensterben oder die Klimakatastrophe ist: Wir haben es mit unserer Kaufkraft und unserem politischen Willen in der Hand die Produktion umzusteuern und anders zu lenken. Wir können nachvollziehen, wo die Schwächen in den Produktionsketten arbeitsteiligen Witschaftens liegen und in unserem Interesse einen Riegel vorschieben. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass wir unsere Verantwortung, unsere Möglichkeiten und unsere Macht erkennen und dann auch verantwortliches Handeln gemeinsam und effektiv organisieren. Der Schlüssel dazu ist ein vernetztes und lebendiges Denken, das die Folgen des eigenen Handelns analysiert und in das eigene Handeln einbezieht. Kinder haben die Neugier, die Lust und Freude am Querdenken. Wenn ihnen diese Neugier, dieser Mut zum Querdenken und diese Lust am Experimentieren aber an der Schule wegen eines falsch verstandenen Leistungsbegriffs , der mitverantwortlich ist für diese volkswirtschaftlich verherrenden Katastrophen, ausgetrieben wird, dann ändert sich nichts (s.a. https://www.shz.de/deutschland-welt/politik/karin-prien-wichtig-ist-dass-die-leistung-stimmt-id18723421.html). Wenn wir nicht anfangen, die Konsequenzen unserer Lebensweise gemeinsam in unser Handeln einzubeziehen, dann nützt die vordergründigen Suche nach Schuldigen nichts, weil dann morgen schon wieder ein Skandal um unsere 'Leistungsträger' Medien und Volk empört. Gleichzeitig scheint es uns wenig zu kümmern, dass z.B. weiterhin Mikroplastik -auch aus Textilien- auf die Äcker und ins Meer gelangt und Nanoplastik weiterhin in Kosmetika und Zahnpasta verarbeitet wird.
