Frage 7: Wenn behauptet wird, dass die moderne Landwirtschaft ohne Glyphosat nicht auskommt, steht dahinter die Behauptung, dass die moderne Landwirtschaft so effizient ist, dass wir ohne sie nicht auskommen! Hieraus ergeben sich gleich zwei Fragen: Kommen wir wirklich nicht ohne Glyphosat aus? Ist die moderne Landwirtschaft wirklich so effizient?
Zu dem Beitrag von Herrn Classen über Direkteinsaat gibt es folgende Info im Netz, die eine pflugfreie Bodenbearbeitung ohne Glyphosat dokumentiert:
https://www.youtube.com/watch?v=0pioDyedC-0
Es geht auch ohne Glyphosat.
Hier sind wir mitten in der Diskussion, was für eine Landwirtschaft wir brauchen. Die Agrarindustrie und der Bauernverband verfolgen die These, dass nur die moderne Landwirtschaft effizient ist. Aber ist sie das wirklich? Auf meiner Homepage http://leever-miteenanner.de/umwelt.html habe ich in dem Beitrag "Moderne Landwirtschaft - Ihr Beitrag zur Ernährung der Weltbevölkerung" errechnet, wieviel landwirtschaftliche Fläche wir für unsere Ernährung brauchen: Da ist zu erkennen, dass wir zusätzlich zu den ca. 16.Mio ha Land in Deutschland noch mal 14 Mio.ha außerhalb der EU nutzen, um unsere Agrarrohstoffe zu produzieren. Ein großer Teil unserer Effizienz liegt also im Import von Agrarrohstoffen, die unter problematischen sozialen (Vertreibung von Landbevölkerung, Gesundheitsgefährdung, Vernichtung von Arbeitsplätzen ), wirtschaftlichen (Zerstörung ökonomischer Resourcen, Zerstörung von Subsistenzwirtschaft und evolutionären Regionalentwicklungsprozessen) und ökologischen Bedingungen (Rodung von Regenwald, Aufbau von Monokulturen) arbeitet. Der Bauernverband und große Teile der konservativen Parteien verfolgen auch die These, dass eine moderne Landwirtschaft genau mit diesen Implikationen funktionieren muß. Gleichzeitig ist diese moderne Landwirtschaft ökologisch, sozial und regionalpolitisch für die Region auch in Deutschland ineffizient. Und die ökologische Ineffizienz zeigt sich nicht nur im Bienensterben. Sie offenbart sich im CO2-Haushalt. Wie verschiedene Studien nachweisen, führt nur eine nachhaltige Weidewirtschaft mit regelmäßiger, schkundiger Beweidung zur Humusbildung (s.a. Anita Idel: Die Kuh ist kein Klimakiller, 30% des weltweiten CO2 werden in Weiden gespeichert) und damit zur Speicherung von ca. 10-15 tonnen Co2 pro Jahr. Umgekehrt führt eine schlechte Grünlandwirtschaft zur Freigabe von CO2. Wird Grünland umgepflügt, konnen im Zeitablauf pro ha bis zu 200 t. CO2 freigegeben werden. In SH haben wir zwischen 2005 -2015 ca. 100 000 ha absolutes Grünland (ein Viertel der Grünlandflache) verloren. Man rechne das mal hoch! Ebenso verhält es sich im Ackerbau. Hier kann durch nachhaltige Bewirtschaft pro Jahr einige Tonnen CO2 gespeichert werden.
