Skagentour 2
Eine der Vorbereitungen den zweiten Teil der Skagenreise war es zu testen, ob mein Surf-und Travel-Kauf funktionierte. Dafür bin ich mit Ingrid und meiner Mutter nach Dänemark gefahren und hab's nördlich der Flensburger Förde getestet. Es hat funktioniert. Eine Woche lang Internet im Ausland, traumhaft. Was sollte ich da die Openstreetmap-Offlinekarten herunterladen. Ich hatte ja Google Maps und OSMAND war damals zwar schon ganz gut aber Maps war besser. Dann habe ich noch versucht das Buch über primitiver Teldplatser zu kaufen. Aber es war nirgendwo, auch nicht in Dänemark aufzustöbern.
Fünfte Etappe
Am 6.8.2011 startete ich zum zweiten Teil meiner Tour. Meine 81 jährige Mutter ließ es sich nicht nehmen, mich ein paar Kilometer zu begleiten. Auch heute noch mit 86 Jahren fährt sie täglich vom Hof nach Süderzollhaus, um die Zeitung zu holen, nicht auf dem direkten Weg. Sie fährt eine kleine Runde. Überhaupt hat es in der Familie Tradition bis ins hohe Alter Fahrrad zu fahren. Da gibt es diese Geschichte von meinem Opa, der auch mit über 90 Jahren irgendwann am Tag einfach losfuhr. Fragte man ihn, wohin es ginge, dann war seine Antwort immer gleich: Ümmer de Näs lang, wo de Wind mi hen weiht. Manchmal allerdings hatte er konkrete Ziele: Als er 80 Jahre alt war, meinte er eines Morgens, er wolle zur Hamburger Hallig und zurück. Wir haben ihn dann überredet, das gemeinsam mit einem alten Kollegen, dem Jannebyer Krüger Mathis Maudrer zu erkunden. So bummelig 50 km liegt die Hamburger Hallig entfernt. Hin und zurück mit Einkehr in einige Landkrügen bei alten Kollegen und mit den alten Fahrrädern war das eine ganz beachtliche Leistung.
Von Süderzollhaus ging es Richtung Grenze, zunächst nach Flensburg zum Nordertor. Dort wollte ich mich noch mal beraten lassen, wie ich mein gesamtes Gepäck am besten gegen Regen schütze. Das Gepäck war mehr geworden, weil ich in Dänemark zelten wollte und vorher hatte ich nichts Adäquates gefunden. Im Fahrradladen am Nordertor wurde ich sehr freundlich bedient. Ich erhielt einen übergroßen Plastiksack, stark genug um meine Sachen zu halten und zu schützen. Da das Verpackungsmaterial war, haben sie es mir umsonst gegeben. Es hat mir während der gesamten Fahrt einen guten Dienst erwiesen.

Für diejenigen, die Flensburg nicht kennen und an der Ostsee entlang Richtung Skagen fahren, ist diese Stadt mit ihrem Hafen und den vielen alten Hinterhöfen, die sich in der Roten Straße, am Holm und in der Großen Straße befinden, shr zu empfehlen. Hier auf Entdeckungsreise zu gehen, lohnt sich. Flensburg ist eine gesunde Stadt, malerisch in einem Tal gelegen. Für mich als Schüler an der Hebbelschule war es immer eine Anstrengung den Museumsberg hochzulaufen. Aber immer wieder hat sich der Ausblick gelohnt. Und für die Leute aus Brandenburg, die den Wannseeer Löwen kennen, sei gesagt hinter dem Museumsberg auf dem Alten Friedhof befindet sich das Orginal. Von Flensburg bin ich dann Richtung Krusau geradelt. Links ab hätte ich auch auf dem Gendarmenweg Richtung Sonderburg fahren können. Das habe ich aber schon früher mal gemacht. Herrlich ist dort der Blick auf die Flensburger Förder, so beeindruckend, das ein Freund aus NRW, der lange in Australien gelebt hatte, bei einer Fußwanderung in der Nähe der Ochseninseln einmal meinte: "Ich wußte gar nicht das Deutschland so schön sein kann." Wir haben dann schallernd gelacht, da wir uns ja längst in Dänemark befanden. Währenmd meiner weiteren Tour ging es mir oft so. Ich habe gestaunt: "Wahnsinn, dieses Dänemark". Es mit dem Rad zu erwandern, bereitet viel intensivere Eindrücke als eine Autoreise durch Dänemark. Und ich sollte warnen. Der östliche Teil von Dänemark ist sehr hügelig. Lange Anstiege mit viel Gepäck können anstrengend sein. Wer das vermeiden möchte, sollte lieber an der Nordsee entlang fahren. Dort ist ebenfalls sehr abwechslungsreich und spannend. Demjenigen entgehen dann aber irre Abfahrten und fantastische Ausblicke auf die Fördelandschaften. Mit meinem Trike bin ich teilweise über 60 km/h die Hüpgel heruntergesaust. Nun gut, das hat mir dann auf den Weg bis Veile einen Satz Speichen gekostet. Von Krusau ging es nach Apenrade, wo ich direkt in der Förde ein ausgiebiges Bad genommen habe. Eine Runde durch die Innenstadt und dann weiter durch eine landwirtschaftlich geprägte Region, mit tollen weißen Kirchen und baumumrandeten, eindrucksvollen Friedhöfen immer weiter nach Norden. Hardersleben liegt ebenfalls an einer Bucht und war eine kleine Runde wert. Ich habe dann in Heilsminde auf dem Campingplatz übernachtet. Nachts fing es an heftig zu regnen und als ich morgens aufwachte, war mein Schlafsack ziemlich feucht. Shit happens, sagte schon Forrest Gump. Und dann noch dieser Ärger mit dem Travel und Surf. Von dem Hinweis, daß ich ab jetzt für die Daten zahlen müssen, trotz der Buchung eines Wochenpasses war ich so entsetzt, das ich das Smartphone zwei Tage lang ausgestellt habe und nich einmal den OSM-Tracker zum Tracking benutzt habe. Erst in Aarhus wurde ich dann wieder mutiger und habe wieder getrackt.
Sechste Etappe
Nun ging es also ausschließlich nach Karte nach Veile. Und da ich schöne Nebenstrecken fahren wollte habe ich mich dann hinter Kolding desöfteren verfahren. Kolding ist auch eines Highlights mit seiner Förde. Während der Fahrt durch Kolding kann man tolle Ausblicke genießen. Kolding mit seinen Brücken, seiner Förde und der für Dänemark so typischen Kombination von Geschichte und Moderne weiß zu beeindrucken. Zum wiederholten Male konnte ich bedauern, daß ich nicht unendlich viel Zeit hatte, diesen Ort genauer zu erkunden. Aber ich habe mir geschworen: Wenn Du im Ruhestand bist, dann machst Du diese Reise noch einmal. Jetzt bin ich im Ruhestand. Was also hindert mich, diesen Turn noch einmal in aller Ruhe zu fahren? Und von Skagen aus wäre dann der Rückweg an der Nordsee entlang angesagt. Hinter Kolding habe ich mich dann bei tollem Wetter gnadenlos verfahren. Dafür aber habe ich den sommerlichen Waldgeruch, alle mögliche Düfte in mich aufnehmen dürfen. An guten Eindrücken hat es eh nicht gemangelt. Außerdem habe ich irgendwann festgestellt, daß etliche Speichen gebrochen waren. Fatal, denn nun ging es langsamer vorwärts. Und dann bin ich auch noch weit von meinem Weg abgekommen. Als ich dann irgendwo bei Jerslev, ca 12 km östlich von Jerslev nach dem rechten Weg fragte, hat ich eine nette Unterhaltung mit einer dänischen Familie. Man hat mich dann nach Jerslev geschickt. Von dort ginge es immer gerade aus nach Veile. Eine besondere Weißheit wollte man mir noch mit auf den Weg geben. Ich sollte doch wissen, daß es nach dem Bergrunterfahren immer wieder bergauf geht. Klar habe ich dann geantwortet: Mir wäre es andersrum lieber und es wäre doch auf viel positiver zu denken: Nach einer Fahrt bergauf, geht es auch immer wieder berauschend schnell und schön bergab. Ja der Osten von Dänemark ist hügelig und mit ca. 40 kg Gepäck spürt man das. Und von Jerslev ging es eigentlich fast immer bergab nach Veile. Und Veile liegt schwindelerregend schön an einer Förde mit einigen steilen Hügeln, die dann auch hochfahren mußte zum Campingplatz, der nördlich der Förde lag. Von meinem Zeltplatz aus, hatte ich dann auch einen Wahnsinnsblick über die Förde.
