Der 3D-Drucker ist einer unserer Verbündeten, der Roboter ist ein anderer. Ich bin auf einem Bauernhof groß geworden. Ich habe als Kind neben der Schule täglich viele Stunden auf dem Hof gearbeitet und in den Ferien meist von morgens um 5:00 bis abends um 20:00, natürlich mit Pausen. Ich habe mit der Hand Rüben gehackt, Kühe , Schweine, Pferde gefüttert, noch mit dem Pferd und Wagen per Hand gedüngt,... Und dann kam die zunehmende Mechanisierung der Landwirtschaft. Mit der Folge, daß die wirtschaftlichen Einheiten größer und größer wurden. Gleichzeitig führte der Maschineneinsatz zu unökologischer Produktion mit hohen Energieverlusten. Und die Rohstoffe für die Agrarproduktion kamen immer häufiger aus der Dritten Welt, mit unübersehbaren Folgen, für die soziale Situation der Menschen in der Dritten W elt, die Bioversität der Produktion und für die Bodenersoion in diesen Ländern. Ähnlich sieht es mit der Entwicklung der Industrie mit Riesenkonzernen aus. Ich war gerade fünf Jahre in Krefeld, einer armen Stadt, in der die Infrastruktur immer 'löchriger' wird, obwohl ein Riesenstadtteil von Bayer beherrscht wird.
Ich schreibe dies, weil das Internet, das Internet der Dinge, Roboter, 3D-Drucker etc. eine Entwicklung umkehren, die die Produktionsmittel wieder näher an die Menschen bringt, die sie nutzen können, um gemeinsam selbstbestimmt, ökologisch und unabhängig zu produzieren. Und das viele solidarisch produzieren wollen, zeigt der Fairtrade-Gedanke, Entwicklungen wie die der solidarischen Landwirtschaft, .... Hier wird Kaufkraft für eine Umsteuerung der Produktionsbedingungen eingesetzt. Und plötzlich sind Fablabs denkbar. Man unterhält gemeinsam eine Werkstatt. Wenn das geht, kann man gemeinsam produzieren, gemeindsam lernen, Potentiale entwickeln und wieder gemeinsam leben. Dieser Aspekt kommt häufig noch zu kurz. Wir mußten noch 2006 unseren Resthof aufgeben, um meinen Arbeitsplatz zu behalten. Meine Firma hatte fusioniert. Die Lebensentwürfe vieler Kollegen gerieten ins Strudeln. Wenn wir mit eigenen Produktionsmitteln selbst produzieren können, können wir Leben und Arbeiten ganz anders kombinieren. In der Softwareentwicklung wird heute outgesourct- fast vorzugsweise nach Indien. Warum kann nicht ein Ökodorf oder sogar eine ökologische Stadtgemeinschaft von dieser Entwicklung profieren und Projektaufgaben übernehmen? Dafür muß aber erst einmal KnowHow und Bewußtsein geschaffen werden. Und da vertraue ich nun mal auf die fraktale Entwicklung. Mein Lieblingsbuch ist immer noch ein Kinderbuch: Tranquilla Trampeltreu von Michael Ende. Die Schildkröte hat ein Ziel und geht es Schritt für Schritt an und erfindet sich dabei mit jedem Schritt neu, denn jeder Schritt findet eine veränderte Realität vor. Das ist eines der wichtigsten Erkenntnisse der Chaostheorie. Ich habe ein Idee davon, was kommen kann, aber ich bin nicht der Architekt. Ich weiß, daß ich einen Kristallisierungspunkt suche. Das Kristall entsteht, aber wie das Kristall am Ende aussieht, weiß ich erst, wenn es kristallisiert wurde. Ich habe eine Idee, Du hast eine Idee, viele haben Ideen. Ich werde genau wie viele andere handeln. Das Ergebnis ist ein solcher von vielen beinflußter Kristallisierungsprozess. F.Vester schreibt in seinem Buch über Die Kunst des vernetzten Denkens', daß einer, vielleicht der schwerste, der 6 Kardinalfehler in der Projektentwicklung, in komplexen Systemen autoritäres Denken ist. Und das ist richtig. Menschen können denken, denken selbst und sie mögen es nicht, wenn man ihnen den Sinn und Zweck einer Tätigkeit immer wieder vorkauft. Deshalb halte ich es für sinnvoll, Angebote zu unterbreiten, die das eigenständige Denken unterstützen und dazu beitragen , gemeinsam zu erfahren und Denkprozesse in Bewegung setzen, die über die individuelle Denkfähigkeit hinausgehen und zu neuen, geminsamen Ufern führen. Zusammen zu denken, um zusammen zu handeln und zusammen zu erfahren, zusammen zu bewegen, daß ist Mensch mit Mensch. Das ist Gott.
