Ich denke, daß Vernetzung wichtig ist und ebenfalls theoretische Arbeit. Aber wir sind längst dort, wo Gesellschaft beginnt, sich zu verändern. Die neuen Technologien werden unweigerlich Menschen zusammenführen, um auf der Basis selbstbestimmten Handelns neue Gemeinschaftskonzepte zu entwickeln. Und dann geht es nicht mehr nur darum anders zu arbeiten, sondern darum Leben und Arbeit wieder zusammenzuführen, um anders zu leben. Das führt zu einer anderen Politik, deren Ziel es sein wird, Umwelt gemeinsam lebenswert zu gestalten, natürlich auch durch eine andere Arbeit. Fraktale Entwicklungen entstehen durch keimende Ideen, die Menschen fraktal umsetzen, wenn es schlüssig erscheint und einfach. Früher gab es die Allmende, es gibt die Gewerkschaften ... Dennoch hat der Kapitalismus die Atomisierung der Menschen auf die Spitze getrieben und bedient sich der entwurzelten Arbeitskraft. Aber die Menschen beginnen zu bemerken, daß dieses System nicht mehr effizient ist. Die aufgelösten sozialen Strukturen durch zentrale staatliche Sozialgesetzgebung zu ersetzen, hat solange funktioniert, wie man sich ungehindert die Reichtümer und Ressourcen der ganzen Welt einverleiben konnte. Und auch heute glaubt man durch billige ausländische Arbeitskräfte das System am Laufen halten zu können. Nicht lange ist es her: Da meinte man die soziale Marktwirtschaft wäre ein Exportschlager für die Welt. Gleichzeitig wurde aber immer wieder betont, daß es nur funktioniert, wenn Deutschland sich weitere Konkurrenzvorteile verschafft. Als Konzept für die Weltwirtschaft also ein Widerspruch in sich. Wenn etwas für die Welt funktionieren soll, müssen auch die 'Verlierer' partizipieren. Oder besser, es darf keine Verlierer geben. Also geht es um das Miteinander, statt um Konkurrenz. Und miteinander können Gemeinschaften arbeiten, sich austauschen, sich gegenseitig stützen. Immer mehr Menschen erkennen das, angesichts der Klimakatastrophe, der Zerstörung von sozialen Strukturen und der Zerstörung von natürlichen Ressourcen. Der Wahn, die Arbeit immer höher zu takten, selbst das Bildungssystem und die frühkindliche Erziehung so auszurichten, daß man konkurrrenzfähig bleibt, zeigt den Wahnsinn. Die Menschen sind nicht mehr bereit sich so verwerten zu lassen. Wir haben einen enormen technischen Fortschritt und die Lebensqualität insb. an den Rändern der Gesellschaft und im Alter sinkt. Die solidarische medizinische Versorgung steht auf der Kippe. Das merken die Menschen und sie suchen nach Angeboten, die Lebensbedingungen zu ändern. Und da sehe ich die große Aufgabe durch konkrete Projekte Angebote zu generieren, die auch im täglichen Leben helfen, selbstbestimmt handeln zu können. Ich erinnere an Brechts Galileo Galilei. Er brauchte nicht zu sterben für seine Einsicht, daß die Erde sich um die Sonnte dreht. Es war klar, daß diese Wahrheit nicht von dogmatischen Kirchenfürsten verhindert werden konnte. So ist es auch heute. Wir müssen keine moralisierenden Diskussion über die Bedrohung der Erde führen, wir brauchen Konzepte, Angebote, die zeigen wie man wohlleben kann, ohne die Umwelt weiter zu zerstören. Und hier ist z.B. Otelo ein sehr wirksames Angebot, aber eines unter vielen.- Die Ökodorf-Bewegung bietet andere, teilweise aber auch ähnliche Angebote für Menschen, um dem Hamsterrad der konkurrenzgetriebenen Wirtschaft zu entfliehen. Ein anderes Angebot ist solidarische Landwirtschaft, eins ist Fairtrade, eines werden fraktale, gemeinsam finanzierte und verwaltete Fabriken und Kommunen sein. Natürlich müssen die Initiativen und diese Keimzellen sich vielfältig vernetzen und ihre Angebote öffentlich machen. Natürlich muß man sich politisch für diese Angebote einsetzen, weil die heutigen steuerlichen, staatlichen und politischen Rahmenbedingungen diese Entwicklung behindern und verhindern. Dabei denke ich immer noch an unseren Besuch im Ökodorf 7-Linden in Popau. Die Initiatoren haben uns erzählt, daß die Projektierung von 7-Linden heute in Sachsen-Anhalt keine Chance mehr hätte. Auf die Frage warum, wurde geantwortet: Wegen der Ökogesetzgebung!!
Denken können die Menschen selbst. Viele wissen, was sie wollen. Und die Menschen wissen, daß gemeinsames Handeln, Werken und Tun lebenserfüllend sein kann. Aber manchmal führt dieses Denken zur Verzweiflung, wenn jeder für sich alleine steht und die Angebote fehlen. Daher denke ich, daß es wichtig ist, diese Angebote zu formulieren, sie umzusetzen und dabei die Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Darin sehe ich unsere vorzüglichste Aufgabe. Nur wenn wir den Raum schaffen, wo sich die Menschen selbstbestimmt bewegen können, können wir solche Keimzellen frühzeitig zum, Erfolg verhelfen. Das ist m.E. die Aufgabe und OTELO ist ein Beispiel, das es klappen kann. Es gibt diese Räume, aber es gibt noch viel zu wenige. Jedes Technologielabor, jedes Mitmachcafe, das irgendwo entsteht, ist ein Kristallisationspunkt, der für Verbreitung sorgt, Hindernisse wegräumt, die heute bestehen. Darum ist es wichtig, konkret zu arbeiten und Wege aufzuzeigen, die Schritt für Schritt Alternativen optimieren und verbessert aufzeigen. Das gilt ebenso für die Tauschringe. Was sind 20 Mitglieder in einer Region, in der 10000 ende von Menschen leben. Was sind 100 Mitglieder in Flensburg, wenn dort 100000 Menschen leben und angeblich so viele Menschen verarmen, vereinsamen und ehrenamtliche Hilfe brauchen. Wir müssen also Hebel finden, um diese vor sich hinvegitierenden Initiativen zu effektivieren. Und da ist es wichtig, Menschen vor Ort zu vernetzen und Initiativen zusammen zu führen. Alten eingesessenen Vereinen laufen die Mitglieder weg, aber sie schaffen es nicht über ihren Schatten zu springen und sich regional zu vernetzen. Die Gemeinden erkennen, daß der demographische Wandel und die Landflucht eine heftige Herausforderung sind, sie sprechen davon, daß ehrenamtliche Arbeit eine Voraussetzung für die Verhinderung der regionalen Katastrophe sind, aber sie erkennen nicht, daß die Uhren heute anders ticken, rein gewerbliche, sozial outgesourcte Alternativen zu teuer werden und Menschen heute anders zusammenarbeiten wollen. Hier kann man ansetzen und helfen. Es ist doch erstaunlich, wieviele Menschen ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe in Süderbrarup arbeiten. Immer wieder wird betont, daß Menschen nicht aufs Altenabstellgleis abgeschoben werden wollen, daß Arbeitslose und Flüchtlinge nach erfüllenden Arbeitsangeboten suchen. Mit dem Mitmachcafe wollen wir genau da ein fehlendes Angebot, einen Raum schaffen, der sich dann durch das Zusammenwirken immer weiter entwickelt. Ich bin ab April Mitglied in der gemeinsam besuchten Einkaufskooperative. Wir haben erlebt, daß Olaf gesagt hat, daß die Kooperative für weitere Entwicklung offen ist und daß einige aus der Initiative, die ja aus der Friedensbewegung entstanden ist, wieder vielschichtiger arbeiten wollen. Überall anzusetzen, überall gemeinsam Initiative für Neues, Überraschendes , Erfolgreiches zu zeigen, ist mein Anliegen.
