Das Kleine
Ich glaube nicht an das Große, ich glaube an das Kleine. Sandkörner, die in meiner Hand zerrinnen, sind mein Altar. Wenn es Gott gibt, dann ist Gott klein, mikroskopisch klein. Aus dem Mikrokosmos entsteht das Große, es wächst wie aus dem Nichts. Wer sagt, das Große schafft das Kleine, der will mein Denken auf den Kopf stellen, der will Macht über mich, über mein Denken, mein Sein. Er will meine Invidualität zerstören und für mich denken und handeln. Er zementiert die Systemzwänge, die mich, die uns einengen, wenn wir gemeinsam experimentieren und handeln wollen. Das vorgeblich Große will uns beherrschen.Dabei entsteht das Große aus uns, fraktal, sich Schritt bei Schritt weiter entwickelnd.
Das Kleine mit all den anderen Kleinen im Großen schafft die Entwicklung, die Veränderung, die Geburt, das Leben und Wachsen, das Vergehen und den Tod. ... Es gibt eine Hoffnung, auch daran glaube ich. Es ist eine physische Hoffnung. Die Körper berühren sich, die Gespräche formulieren Gedanken, Ideen, die durch unsere Hände und unser Begreifen stofflich werden, Gedanken, die sich austauschen, berühren, vermehren, verdichten und Größe gewinnen. Kleine Gedankensplitter, die in und voller Liebe füreinander zu einer großen Kraft werden. Keine Rede von Harmonie. Keine Rede von Romantik. Hier ist die Rede von der Kraft des Miteinander, die man spürt, wenn man an bestimmten Orten weilt, die beseelt sind von Menschen, die bereit sind einander zu erfahren, aufeinanderzugehen und sich zu bewegen. Mein Gott ist der Feuerbachsche Gott: 'Mensch mit Mensch ist Gott.' Wenn sich unsere Fingerspitzen berühren, wenn wir zusammenwirken, uns lieben und miteinanderarbeiten, dann können wir gemeinsam viel bewirken. Wir können den Lauf der Welt verändern, zum Guten für uns und für die Schöpfung. Wir können das, in dem wir unsere gemeinsame Macht einsetzen, um die Vernichtung der Resourcen zu stoppen. Hartmut von Hentig hat in 'Systemzwang und Selbstbestimmung' beschrieben, daß das der Schlüssel zu unserer Macht ist. Wir müssen lernen, selbstbestimmt zu handeln. Und dazu müssen wir auf unser Inneres hören und Zwänge auflösen, die uns hindern, unsere Kraft für diese eine Welt, für dieses eine verletzliche Boot, und für unsere eigene gemeinsame Zukunft einzusetzen. Aber wir müssen, die Spiele und Spielregeln, die diese Welt, die Politik und die Ökonomie beherrschen, begreifen, um die Regeln außer Kraft zu setzen, die voller Gier unsere Zukunft zerstören, obwohl es großartige menschliche, kulturelle, politische und technische Entwicklungen gibt, mit denen wir die Welt lebenswert gestalten können. Gestalten bedeutet nicht weniger, als regelnd und steuernd in die Stoff- und Geldkreisläufe einzugreifen. Steuern können wir durch unser Handeln. Unser Handel besteht aus vielen vernetzten Tätigkeiten, und zwar sowohl auf der persönlichen wie auf der gemeinschaftlichen Ebene. Heute ist der Gedankenaustausch viel einfacher als früher. Jeder kann teilnehmen, jeder kann sich mit jedem vernetzen, egal ob er weit entfernt lebt oder nahe, Man kann Gleichgesinnte treffen und man kann sich zusammentun. Selbst die Sprachgrenzen lassen sich heute leicht überwinden. Ihr fragt, was das nützt. Nichts, wenn Ihr es nicht nutzt, um zu handeln, gemeinsam zu handeln. Und da existiert noch ein großes Fragezeichen. Der Gott unserer Kultur ist groß, allmächtig, übermachtig. Die uns beherrschenden Mächte, haben kafkanische Fratzen. Wir denken, daß wir gegen die da Oben, gegen die allmächtigen Politiker und gegen die Konzerne ohnmächtig sind. Aber wenn wir die Regeln des globalen Handeln, der Wirtschaft und Politik kennen, können wir diese verändern. Ja, wir können gemeinsam, aber eben nur gemeinsam, von unten regieren. Wir sind eine ernstzunehmende Macht, wenn wir uns unsere eigene Ethik, unsere Philosophie und unsere Ideen ernst nehmen. Wir sind gegen TTIP, wir sind gegen die Zerstörung, gegen die Not, gegen die Verletzungen, die Menschen, Tiere, Ökologie und unsere Erde durch den globalen Handel, durch die globale Finanzströme erfährt.Aber wir lassen es geschehen. Doch wir haben eine Macht, die sich einmischen kann, die verhindern kann, daß unsere Zukunft zerstört wird. Wir haben in der Vergangenheit gezeigt, daß wir solidarisch handeln können. Das Entstehen von Gewerkschaften ist ein Beispiel für die Fähigkeit solidarisch und gemeinsam zu handeln. Heute aber reichen die Gewerkscahften nicht mehr aus, um unser Wohlsein dauerhaft zu festigen. Wir müssen beginnen, unsere Kaufkraft einzusetzen, um unsere Lebensbedingungen zu optimieren. Die Gewerkschaften werden geschwächt, wenn wir nur auf die Arbeitswelt in den einzelnen Firmen zielen, wir müssen bereit sein, unsere Macht einzusetzen, um die Produkte und die Produktionsbedingen zu verändern. Wir können dann unsere Kaufkraft einsetzen, um anders arbeiten zu lassen, anders produzieren zu lassen oder aber gar um selbst anders zu arbeiten und zu produzieren.
