Mit dem Liegeradtrike nach Skagen
Am 31.7.2011 bin ich zu meiner bisher längsten Fahrradtour gestartet. Ausgestattet mit einem Android-Smartphone, einem 'Bett und Bike' vom ADFC und vor allem einem Steintrike Nomad (Liegeradtrike) ging es auf die Reise. Mit dem Zug bin ich von Krefeld nach Minden gefahren, weil ich diese Strecke auf diversen Touren schon des öfteren zurückgelegt hatte. Aber es reitzte mich zunächst den nördlichen Teil der Weser zu erkundigen und von Minden aus zu starten. Wie bereits zuvor wollte ich meine Reise flexibel planen, daher habe ich die Unterkünfte immer spontan aus 'Bett und Bike' gewählt, jeweils vor 18:00 am selbigen Tag. Für 15 Euro - 35 Euro habe ich immer etwas gefunden selbst nahe Wacken, wo am 4.8 Wacken Open begann. Aber dazu später!
Die erste Etappe

So gegen 9:00 Uhr ging es los. Von Minden über Petershagen nach Nienburg. Beide Orte sind geprägt durch altes niedersächsisches Fachwerk. Nienburg hat mir besondes gefallen. Zwischenzeitig habe ich in der Nähe von Husum in einem malerischen Cafe gerastet. Eine vom Fluß geprägte Vegetation hat mich genauso begleitet wie Störche, Rehe und andere Wildtiere. Schnell habe ich meinen Rythmus gefunden und bin gemächlich an der Weser entlanggefahren. In Hoya habe ich in einem kleinen Holzhaus , das ich ganz für mich hatte, übernachtet. Morgens wurde ich - wie immer- mit einem leckeren Frühstück verwöhnt.
Die zweite Etappe
Am zweiten Tag ging es dann durchs Weserland Richtung Hemmoor. Diese Gegend habe ich schon oft besucht und mir gefiel auch diesmal wieder diese flache, aber dennoch lebendige Landschaft, die das Fahrradfahren zum Vergnügen macht.

In Lamstedt habe ich dann bei einem freundlichen Ehepaar übernachtet. Ein tolles Zimmer, ein leckeres Frühstück und eine vom Gastgeber bereitgestellte Karte mit wissenswerten Infos aus der Gegend haben mir den weiteren Weg vereinfacht.
Die dritte Etappe
Von Lamstedt ging es über Hemmoor nach Wischhafen. Nicht nur bei tollem Wetter ist diese Landschaft ein Gedicht. Auch wenn es der Umwelt schadet, haben mich wieder die Torffelder fasziniert, die direkt an dem Weg liegen. Mich hat das wieder an meine Kindheit erinnert, als ich mit unserem Schleswiger Wallach Max und Torfschlitten selbst die Torfteile zum Trocknen gefahren und später aufgeschichtet habe.

Von Wischhafen ging es dann mit der Fähre nach Glücksstadt, wo ich zunächst ein Stück der Elbe gefolgt bin. Spätestens in Wewelsfleth habe ich wieder den alten Zeiten gedacht, als wir von Kiel aus oftmals nach Brokdorf zu Demonstrationen gepilgert sind. Von Wewelsfleth ging es dann oft dicht an der Sör entlang und in einem besonders netten Lokal an der Stör habe ich mir neben einem Krabbengericht die schöne Aussicht auf die Stör gegönnt. Überhaupt war die Stör mit ihren Wegen, den Aussichten und den liebenswürdigen Bauernhöfen ein Highlight auf dieser Reise. Eine größere Herausforderung war dann der weitere Teil der Reise, hier gab es dann auch mal ein paar Anhöhen zu überwinden. Ganz spannend wurde es dann als ich nahe bei Wacken, plötzlich die ersten Konzertbesucher entdeckte. Und dann stand da eine große Truppe von Grenzschützern, die ich gefragt habe, ob etwa Wacken Open angesagt sei. Nachdem sie dies bestätigten, hatte ich es eilig, einen Imbiss in Schenefeld aufzusuchen, um mir mit Unterstützung von Bett und Bike und Smartphone eine Bleibe für die Nacht zu suchen. Das war nicht einfach. Fast überall wurde auf mneine Anrufe nicht mal reagiert. Doch dann hatte ich unverschämtes Glück. Eine Frau, die vor allem an Fahrradfahrer vermietet, hatte eigentlich vorgehabt wegen der Vorbereitung auf Wacken Open kein Zimmer mehr zu vermieten, aber nachdem sie 5 Anrufer vor mir hatte abblitzen lassen, hatte sie mit mir ein Erbarmen. Falls dies jemand liest, der damals betroffen war, dem kann ich nur zurufen: Mea culpa. Ich bin dann also bis Hardemarschen gefahren und habe dort gut übernachtet. Abends bin ich dann noch mal in einen Krug nach Hardemarschen essen gegangen. Dort, wo vielleicht auch einmal Theodor Storm seine Novellen oder Gedichte erdacht hat, habe ich lecker Matjes gegessen. Unvergessen der Rückweg - zu Fuß - zu meiner Bleibe. Ein fast kitschiges Abendrot hat mich meine schmerzenden Füße vergessen lassen.
Die vierte Etappe
Von Hardemarschen ging es dann in meine alte Heimat nach Süderzollhaus, wo ich auch auf meine Frau treffen sollte, die mit dem Auto nach Saeby fuhr, wo wir beide eine Freundin besuchen wollten. Dieser Teil der Reise ist mir besonders in Erinnerung geblieben, weil ich hier wieder einmal tolle Plätze,Orte gefunden habe, die ich vorher nicht kannte und ich alte Studienfreunde besuchen wollte, die auf dem Weg wohnten.

Zunächst einmal ging es von Hardemarschen zur Fähre über den NordOstSeeKanal, den ich in dieser Gegend auch schon mal mit Ingrid, meiner Frau und mit meinem alten Peer Gynt entlang gefahren bin. Dann ging es fast bis zum Gieselaukanal am Kanal entlang, dann am Gieselaukanal bis zu einer Brücke an der ich übersetzen konnte. Eine tolle Kullisse hat man hier und auch die anschließende Fahrt zwischen Eider und Kanal war beeindruckend. Hier werde ich im nächsten Sommer einmal mit unserem Klappcaravan auf einen Campingplatz fahren, um die Eider-Treene-Niederung zwischen Hohn, Friedichstadt und Husum genußradelnd ausgiebig zu erkunden. In Elsdorf wollte ich eine alte Studienkollegin überraschen. Leider hatte sie gerade Urlaub. In Hohn habe ich dann verzichtet es bei einer anderen Freundin noch mal zu versuchen. Sie waren ja wahrscheinlich zusammen in Urlaub gefahren. Und ann kam mir alles sehr vertraut vor. Hier gab es Wege, die ich schon oft auf meinen Touren zurückgelegt habe. Und das man hier von Jung und Alt immer wieder mit einem Moin, Moin gegrüßt wurde, hat mein Herz höher schlagen lassen. Ich wollte dann noch einen alten Studienfreund besuchen, der mit seiner Frau einen Bauernhof nahe Rheide bewirtschaftet. Dort angekommen, wurde mir von einer Praktikantin gesagt, daß auch er sich auf Urlaub befände und er sich redlich verdient hätte. Klöar haben Bauern Urlaub verdient, war meine Antwort. Nee, Nee kam es da zurück. Er war an EHEC erkrankt und es wäre ihm sehr schlecht ergangen. Auf dem Rückweg von Skagen habe ich ihn dann noch einmal besucht. Der weitere Weg führte mich nach Esperstoft, wo ich einen ausgesprochen schönen Rastplatz an der Treene entdeckt habe. Von da an hat mich die Treene ein Stück weit begleitet. Und in Hünning habe ich einen kurzen Abstecher zur Brücke gemacht, die ich später noch oft besucht habe. Hier waren gerade einige Kanuten ins Flußbett gestiegen und begannen ihre Tour auf der Treene. Weiter ging es dann auch von der Jerrisbek begleitet nach Süderzollhaus. Hier habe ich dann eine zweitägige Pause eingelegt und mich auf die weitere Tour vorbereitet. So wurde ein TravelUndSurf-Wochen-Paket für Dänemark bei der Telekom gekauft, daß damals leider so unzuverläßig lief, daß ich am Abend des ersten Tages in Dänemark die Message erhiert, daß ich blechen müsse, wennn ich weiterhin surfen würde.
