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tollhuus0

Veröffentlicht am 2023-12-25 00:00:00.0


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Kriegsrückkehr

Christian Walter und Hermann, die beiden Söhne von dem Krügerpaar Maria und Martin Christian sollten beide in den zweiten Weltkrieg ziehen. Christian war der Ältere und fast während des gesamten Krieges in Narvik, Norwegen stationiert. Er wurde in den letzten Tagen des Krieges zurückbeordert und an der heimatlichen Front nahe Berlin verheizt. Kaum aus dem Zug gestiegen, fiel Christian. Das Entsetzen zu Hause war groß, er wurde geliebt und sollte doch Krug und Hof übernehmen. Martin war noch im Gefängnis. Er war denunziert worden, weil er seinen Bauernkollegen geholfen hatte, schwarz zu schlachten. Zwar hatten diese zu ihm gehalten und seine Frau unterstützt, die Wirtschaft aufrechtzuerhalten, aber eine starke Hand fehlte überall. Und auch Hermann kehrte so schnell nicht zurück, weil er in Frankreich in amerikanische Gefangenschaft geraten war. Erst 15 war er gewesen, als er sich in seiner Not freiwillig gemeldet hatte. Sein HJ-Führer hatte ihm gedroht, weil Hermann ihm eine schallernde Ohrfeige verpaßt hatte. Hermanns Meister hatte Wind davon bekommen und dafür gesorgt, dass er sich umgehend freiwillig gemeldet hatte. Zum Glück, wie sich herausstellte, denn kurz danach kam ein Brief der SS, in dem er aufgefordert wurde, der SS beizutreten.Was das bedeutet hätte, konnten sich Vater und Mutter denken, hatten sie doch vom Treiben der SS erfahren. Hermann wurde in Dänemark in den Dünen um Esbjerg ausgebildet. Später erzählte er gerne von dem knirschenden Sand, den sie in ihrem Essen zwischen den Zähnen wiederfanden. Und dann kam er nach Frankreich zur Flak und mußte Panzer abschießen, ein junger Müllerlehrling mit 15 Jahren. Aus einem Hinterhalt gefangen, kam er in amerikanische Gefangenschaft, wurde auf dem Transport zum Lager von aufgebrachten Franzosen mit Steinen beworfen, erinnerte sich, das ein farbiger Offizier sich für die Gefangenen eingesetzt hatte, so dass die Traktur schnell ein Ende fand. In der Gefangenschaft ging es ihm gut, wegen seiner blonden Locken wurde er von den Amerikanern Blondie gerufen und durfte in der Kantine arbeiten. Trotzdem war er vom Krieg gezeichnet. Es fiel ihm schwer seinen Söhnen von den Erlebnissen zu erzählen. Aber er kam zurück, später zwar, als sein Vater längst aus dem Gefängnis entlassen worden war, aber er war zurück. Man hatte ihm angeboten,Fußballer bei Kickers Offenbach zu werden und er hatte auch überlegt, nach Amerika auszuwandern, aber nun sollte er den Hof erben. Mutter und Vater alleine zu lassen, war nicht drin, auch wenn er zu seinem Vater immer ein angespanntes Verhältnis hatte. Sein Bruder war Vaters Liebling gewesen, durfte ein Ausbildung zum Reit-und Fahrlehrer an der Reitfahrschule in Elmshorn machen und wäre sicherlich ein guter Bauer geworden. Hermann dagegen war in der Müllerlehre gewesen, als er mit dem HJ-Führer aneinandergeraten war. Als er zehn war, wurde er zu seiner Tante nach Hamburg geschickt, die dort Lehrerin war. Zum Gymnasium war er dort gegangen und nebenher hatte er beim SV Blankenese Fußball gespielt. Tante Linksaußen hatte man ihn dort genannt. Gerne hatte er gespielt und voller Freude erzählt, dass er auch gegen Dieter und Charlie Dörfel gekickt hat. Seine Gymnasialzeit endete mit dem immer heftiger tobenden zweiten Weltkrieg und seine Mutter hatte große Angst um ihn. Das sie ihn so schnell wieder an den Krieg verlieren sollte, stimmte sie und seine Schwestern sehr traurig. Er kam zurück in ein geschlagenes Dorf, in dem in den 30 ern viele in die NSDAP eingetreten waren. Sein Vater Martin Christian hatte sich lange gewehrt, weil er immer glaubte, dass Hitler Krieg wollte. 4 Jahre war sein Vater im ersten Weltkrieg nahe Verdun direkt an der Front gewesen. Weimarer Republik und die Schleswiger Bauernschaft war in Aufruhr, die Preise im Keller, hatte ein großes Bauernsterben eingesetzt. Auf der Geest herrschte große Armut und viele hofften auf die NSDAP. Martin Christian glaubte den Versprechungen von Hitler und Co. nicht, denn sein Bruder Johannes und sein Nachbar Adolf Christiansen hatten sich intensiver mit dem monströsen Werk 'Mein Kampf' auseinandergesetzt, erzählt und gewarnt. Doch auch nach dem Krieg gab es im Dorf aber immer noch viele, die meinten, dass Hitler und die NSDAP viel gutes getan hätten. Einige waren Nazis geblieben, vielen war die preußisch, militärische Mentalität eingebleut worden. Das Ende des zweiten Weltkriegs und die Entfernung der Hakenkreuze bedeutete nicht das Ende eines unterschwellig vorhandenen devoten Rassismus und Nationalismus. Auch das würde Hermann nach seiner Rückkehr in das Dorf erfahren.

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