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2.PET,Atari,Minix,Linux und Mainframe

Veröffentlicht am 2020-11-30 00:00:00.0


2.PET,Atari,Minix,Linux und Mainframe

Ein Homecomputer in der WG

Zivildienst und neue Projekte

Zum 1.2.1979 wurde ich zum Zivildienst eingezogen. Und das gerade als ich in Stuttgart-Hohenheim eine Doktorantenstelle festgemacht hatte. Meine Promotion konnte ich also in die Tonne kloppen. Keine 'sozioökonomischen Auswirkung der Mechanisierung der Landwirtschaft in Entwicklungsländern' durfte ich erforschen, sondern in einer therapeutischen Einrichtung mit Patienten Bullen misten. In dieser Zeit wohnte ich in einer WG in der Milchküche in Kiel. Mit dem PET und später mit dem CBM 3032 habe ich 1979/80 begonnen insbesondere Operation Research-Programme für den Agrarsektor zu entwickeln.

In der Milchküche war ich auch wegen meines Computers ein Exot. Aber dies war der Anfang einer Bewegung. Es entstand eine kleine Community von CBM-Freaks, es war die Zeit, die für das Entstehen von Opensource, später Mailboxen, den direkten Vorläufer von Netzwerken prägend war. Und ich war von Anfang an dabei. Regelmäßige Treffen führten dazu, dass man untereinander begann, Programme und Quellcode austauschen und sich gegenseitig zu unterstützen. Nach einiger Zeit wechselte ich von Rickling an eine Werk- und Betreuungsstätte in Kiel, eine gute Zeit mit vielen tollen Erfahrungen begann. Nebenher versuchte ich für die Zeit nach dem Zivildienst neue Kontakte zu knüpfen, da ich ins Zuchtmanagement des multinationalen Konzerns nicht zurück wollte. Trotz der Aussichten dort Karriere zu machen, hatte ich extreme Bedenken gegen diese Art der Industrialisierung des landwirtschaftlichen Sektors. Das Tier als Produktionsmittel, als Ware, das ging mir wie vielen meiner früheren Studienkollegen gegen den Strich.

Schließlich traf ich den damaligen Chefredakteur von Top Agrar, der mich für den LV-Computer anheuerte. Als freier Mitarbeiter war ich für den Landwirtschaftsverlag (LV) tätig. Ich habe zusammen mit Prof. Breloh ein paar Programme für den LV-Computer entwickelt, u.a. eine Mischfutterkalkulation, den ich initial für einen niedersächsischen Futtermittelhersteller programmiert habe. LV-Computer war sicher ein Pionier und Türöffner, wenn es um Agrarsoftware für Höfe ging. Ich war dabei, als auf der DLG-Schau in Hannover die Stände des LV-Computer von den Landwirten geflutet wurden. Wir, die wir die LV-Software präsentiert und erklärt haben, verloren nach ein paar Tagen die Herrschaft über unsere Stimmen. Erklärt haben wir viel, gekauft wurde wenig, denn die Programme kosteten meist zwischen 6000 und 10000 DM. Aber das Standteam hatte viel Spaß und ich habe dort viel gelernt. Unvergessen ein gemeinsamer Abend in einem Lokal nahe Großburgwedel.

Für den elterlichen Hof habe ich kleines Zuchtprogramm entwickelt, mit dem ich einen Katalog mit unseren Zuchttieren zusammenstellte. Schön war eine Zeit auf dem Hof, während der ich morgens und abends oft gemolken habe und zwischen den Melkzeiten programmiert habe. Ich empfand das als eine optimale Kombination von Tätigkeiten.

Eine Begebenheit, die ich gerne zum Besten gebe: Meine Eltern hatten eine Wärmerückgewinnung in die Milchkühlung installiert und damit wurde u.a. warmes Wasser für den Haushalt erhitzt. Einmal als ich im Wohnzimmer programmiert habe, hatte mein Bruder eine Weiche falsch gestellt und ich traute meinen Augen nicht, als das Wasser direkt neben dem Heimcomputer aus dem Kronleuchter geflossen ist. Der Rechner hat das Maleur überlebt.

Während des Zivildienstes verdiente ich durch den LV-Computer dazu. Mittels eines Kredites der Volksbank konnte ich mein Computersystem schrittweise erweitern. Lineare Optimierung mit 8 kb bringt keinen Spaß, also habe ich für 1000 DM nochmals 32 kb RAM dazu gekauft. Alleine dafür mußte ich über 1000 DM berappen.
Und irgendwann war ich das Datasettengerödel leid und die kleine Tastatur am PET2001 war auch nicht optimal für die Finger eines Bauernjungen. Also waren Upgrades angesagt. Ich habe einen CBM3032,eine Diskettenstation CBM8050 und einen 40Zeichen-Thermodrucker gekauft. Dafür wanderten damals ca. 7500 DM über den Tisch.

Ich wusste, dass eine Diskettenstation mein Problem mit dem Datasettenspagetti lösen würde. Aber wie? Da kam also so ein Kasten und dazu , sozusagen als Beigabe eine Diskette. Ich kannte niemanden, der jemals eine 5 1/4 Zoll Diskette in der Hand gehabt hatte. Wie gehörte also diese Scheibe in das Laufwerk? Eh,komisch. Kann so doch gar nicht funktionieren! Muß man die Diskette etwa aufschneiden, damit sie gelesen und beschrieben werden kann? Also vorsichtig die Rasierklinge angesetzt. Einen seitlichen Ritz an der Plastikumhüllung fabriziert und überlegt, ob das Sinn macht. Nein.Nein.Nein!!! So wird es kaum gehen! Also mit Tesafilm den Schlitz wieder zugeklebt und das Teil -ohne Wenn und Aber- ins Laufwerk eingeführt. Ein paar Befehle später, hatte ich dann Erfolg. Mein erstes Programm fand auf der Diskette Platz. Wie ich bereits sagte: Was man nicht kennt, erscheint kompliziert. Und verständliche Bedienungsanleitungen für Neueinsteiger zu schreiben, ist auch heute noch eine Kunst.

Eine elektronische Schreibmaschine von Olivetti mit einem Interface war notwendig, um die nächsten Programme wie z.B. ein CPM-Netzplanprogramm zu testen. 160 Zeichen in einer Zeile, damit ging mehr als mit einem 40 Zeichen-Drucker, den ich mal für Geld auf der CEBIT gekauft hatte. Da das Interface eine Spezialanfertigung war, war auch das nicht ganz billig, etwas unter 5000 DM habe ich dafür bezahlt. Langsam war es an der Zeit mit dieser Gerätschaft ein wenig Geld zu verdienen.
Nach einiger Zeit stand für mich jedoch fest, dass ich tiefer in die Informatik eintauchen wollte.

Noch beherrschten die mittlere Datentechnik und Mainframes das Geschäft. Also nahm ich dankend an, als ich über das Arbeitsamt die Gelegenheit zu einem neunmonatigen Kurs beim AWZ in Wiesbaden erhielt. Es begann mit einem Basic-Kurs. Aber bald merkte ich wie verstaubt die Tools der mittleren Datentechnik gegenüber Commodore und Co waren. Es war eine Qual in den Listings nach Fehlern zu suchen, oft wälzten wir uns auf dem Boden über meterlangen Programmlisten , um die Ausdrucke nach Flüchtigkeitsfehler wie fehlenden Punkten zu durchsuchen. Autovervollständigung, fertige Templates, Fehlermeldung während des Eintippens, na eben Fehlanzeige. Der Basicinterpreter war eine Katastrophe, aber die Sprache Cobol, nein nicht die Sprache, die Entwicklung mit Cobol auf dem Rechner war ein Inferno. Punkt, Komma, Ausdruck, Korrektur. Und das ganze x-fach wiederholt. Stunde uim Stunde, um ein paar kleine Fehler aufzuspüren. Wir lernten aber auch noch mehr : Methoden der Softwareentwicklung, Organisation,...

Und wir machten Praktika. Ich war bei Nixdorf in Kiel und sie wollten neue Kunden aus der Futtermittelindustrie gewinnen. So kam es, dass ich mich alsbald mit meinem Betreuer im Hamburger Hafen befand und gezeigt bekam, wie eine PDP11 unglaublich schnell mit linearer Optimierung eine Futterkalkulation durchführte. Mein Ehrgeiz war geweckt. Eine Woche Klausur und ich hatte auf dem CBM3032 eine Futtermitteloptimierung entwickelt. Leider stellte sich dann heraus, dass das Programm auf dem Nixdorfrechner zu lahm ablaufen würde und ich begann mit ein paar Freunden aus dem AWZ zu überlegen, ob man das Programm nicht in Assembler schreiben könnte. Daraus ist dann aber nichts geworden. Als ich in dem Magazin Top Agrar eine Stellenanzeige beim Milchkontrollverband Westfalen-Lippe entdeckt habe, habe ich mich dort beworben. Da ich während meines Landwirtschaftsstudiums während eines Praktikumssemesters eine Ausbildung zum Milchkontrollassistenten durchlaufen habe, war es folgerichtig dort anzufangen, obwohl ich eigentlich schon immer in die Entwicklungshilfe wechseln wollte. Und es war für mich konsequent nicht in Schleswig-Holstein beim LKV anzufangen, denn dort hätte ich Geklüngel mit meiner Züchterfamilie befürchtet. Am 1.5.1982 war Arbeitsbeginn im Rechenzentrum. Nicht nur aus familiären Gründen bin ich dann bis zur Rente beim MKV/LKV geblieben.

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