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1.PET,Atari,Minix,Linux und Mainframe

Veröffentlicht am 2020-11-26 00:00:00.0


1.PET,Atari,Minix,Linux und Mainframe

Wie ich zum Computer kam.

Wie ich zum Computer kam

Es war 1977, als ich mir im Weltwirschaftsinstitut die Daten aus verschiedenen Production Yearbooks zusammengesucht habe, um die Thesen meiner Diplomarbeit empirisch zuz untermauern. Herr Dr. Jentzsch, der Dozent , der meine Diplomarbeit betreut hat, schlug mir vor, die Daten auf Lochkarten zu stanzen und dann im Rechenzentrum auszuwerten. Da hatte ich doch einige Berührungsängste. Lochkarten?! Nee! Also habe ich eine Alternative gesucht. Einen wissenschaftlichen Taschenrechner. Erst habe ich an einen TI-59 mit Magnetstreifen gedacht, aber der war für einen Studenten sehr teuer. Also habe ich mir einen Commodore PR100 gekauft. Leider verlor der Rechner Programm und Daten nach jedem Ausschalten. Also mußte ich das entwickelte Programm wieder und wieder eintippen, bis ich die Regressionsberechnungen fertiggestellt hatte. Auf dem Schreibtisch eine Tasse Tee auf ostfriesische Art angerichtet, gegen die um sich greifenden Zahnschmerzen Gewürznelken: 'Der Zahnarztbesuch muß warten. Die Regressionsanalyse hat Vorrang.' Die Entwicklung des Selbstversorgungsgrades bei Nahrungsmitteln in ausgewählten Entwicklungsländern - Situationsanalyse und Bestimmungsgründe war das Thema meiner Diplomarbeit und musste in der vorgegebenen Zeit bewältigt werden.

Nach dem Abschluß habe ich dann bei einem multinationalen Hybridzuchtunternehmnen im Bereich der Schweinezucht gearbeitet und war dann u.a. auch in dem Firmenrechenzentrum in England. Da ich für das Zuchtmanagement verantwortlich war, musste ich immer wieder Daten nach England übermitteln. Das Lochen der Lochstreifen war eine nervige Angelegenheit, ein Tippfehler und alles mußte von vorne auf den Weg gebracht werden. Und die Ergebnisse kamen oft erst Monate später aus dem Rechenzentrum aus England zurück. So kam es dann, dass ich mir überlegte, ob man bestimmte Auswertungen nicht schneller vor Ort durchführen konnte. Durch den Bruder meiner damaligen Freundin wurde ich mit Heimcomputern bekannt gemacht. Zur Auswahl stand ein HP 97, ein Tischtaschenrechner mit Magnetstreifen oder ein kleiner Heimcomputer mit Datasette und einem 4025 Zeichen großem Bildschirm.Der PET 2001 (Personal Electronic Transactor) * war die bessere Wahl. 2999 DM für 8 KB RAM incl. BASIC-Interpreter.

1978, kurz vor Weihnachten: Ausgepackt, Bedienungsanleitung gelesen, verzweifelt ob der simplen Komplexität. Komplex ist alles immer dann, wenn man es noch nicht kennengelernt hat. Und so lief die Zeit bis Neujahr. Am letzen Arbeitstag wollte ich mit Anne, meiner Kollegin, nach Nordfriesland, um einen Zuchtbetrieb zu besuchen. Sie wollte mich in Treia, meinem damaligen Wohnort, abholen. Sie kam spät, aber wir sind dann trotz Schnee Richtung Husum gefahren. Bis die Straße blockiert war von einem, nein mehreren Autos, vorzüglich kleinen BMW's, die auf der glatten Straße die Selbstbeherrschung verloren hatten und sich so quergestellt hatten, dass wir nicht mehr durchkamen. Ehrlich! Winterliches Chaos auf der Straße. In einer Telefonzelle haben wir in der Firma nachgefragt, welchen Verlauf dieser Tag noch nehmen sollte. Unsere Erwartung: Zu Hause bleiben zu dürfen, wurde nicht erfüllt. Hmm! Der Geschäftsführer wollte noch ein Meeting abhalten. Also sind wir umgedreht und nach Schleswig gefahren. Wir warteten auf den Termin bis 15:00 Uhr, schauten immer wieder durch das Fenster und erblickten stündlich stärkeres Schneetreiben. Dann um 15:00 Uhr: Managementmeeting.

Nach einer Stunde war der Spuk vorbei, oder aber begann er gerade? Übrigens: Ich schreibe diese Zeilen im zweiten Corona-Lockdown. Was ist da wohl Spuk?

Nach dem Termin mussten wir den Mercedes unseres Geschäftsführers freischaufeln. Der VW Käfer, den ich von meinem Opa geerbt hatte und der schon 20 Jahre auf dem Puckel hatte, brachte mich sicher zum Supermarkt. Mein Lodenmantel -ebenfalls geerbt - hüllte mich ein und bewahrte mich vor Kälte. Nachdem ich mein Geld ausgegeben hatte, setzte ich meine Fahrt nach Treia fort. Sturm, Wind, Schneetreiben, aber noch ging es voran. Bis zu der Kurve, wo sie standen, die Autos, die es allesamt bis hierher -und nicht weiter- geschafft hatten. Die Dämmerung setzte ein. Ein Raupenschlepper mühte sich ab, den Weg freizuschaufeln. Mit Schaufel und wärmenden Lodenmantel habe ich - wie einige andere auch - händisch unterstützt. So gegen 20:00 war der Weg für mich frei. Hinter mir saßen sie noch fest: Schaufel und Lodenmantel wurden noch gebraucht. Ich bekam eine Telefonnummer, um mir später den Lodenmantel abzuholen. Eigentlich wollte ich Sylvester in Süderzollhaus, auf dem elterlichen Hof verbringen. Nun blieb nur meine Wohnung in Treia. Vor dem Haus türmte sich schon der Schnee. Nachdem ich trotzdem einen Parkplatz gefunden hatte, wollte ich schnell in die Wohnung. Wohlige Wärme statt Kälte erwarteten mich dort. Doch da habe ich die Rechnung ohne meinen Lodenmantel gemacht. Eine kurze Suche und es war mir klar, dass der Haustürschlüssel sich im Lodenmantel befand. Der Landkrug - eine Institution hier- war nicht weit. Dort, wo ich schon oft mit meinem Bruder zum Tanzen gewesen war, fand ich wärmenden Unterschlupf. Und ein Telefon gab es dort auch. Mit dem wenigen Geld konnte ich mir noch einen Kaffee und später eine Cola leisten. Gleichzeitig ging das Grübeln los, wußte ich doch, dass sich in einer der Lodenmanteltaschen ein großes Loch befand. Unruhe, Angst! Wenn ich den Schlüssel versehentlich in diese Tasche gesteckt hatte? Nicht auszudenken: Ein verlorener Haustürschlüssel! Eingeschneit, kein Geld in der Tasche. Wo sollte ich im Eventualfall übernachten? Nach mehreren Stunden und mehreren Telefonanrufen war der zwischenzeitliche Lodenmantelträger erreicht und zu Hause, aber in der Badewanne.

Trotzdem war meine Erleichterung groß, als mir bestätigt wurde, dass sich der Schlüssel in der Tasche befand. Ungeschützt, nur mit Hemd und Hose, aber voller Endorphine machte ich mich bei horizontalem Schneetreiben auf den Weg immer der Bundesstraße entlang. Als ich meinen Haustürschlüssel in der Hand hatte, konnte ich endlich in meine Wohnung.

Wie andere Orte isolierte der Schnee Treia vom Rest der Welt. Telefon und Hubschrauber waren die einzigen Verbindungen zur Außenwelt. Und so hatte ich unerwartet über eine Woche Zeit mich mit dem PET zu beschäftigen. Punkt, Komma, Gänsefüßchen waren wie Stolpersteine auf dem Weg zu den ersten Programmzeilen, zum efolgreichen Aufbruch in eine neue, unbekannte Welt. Goto, if, then und erste Versuche gelangen erst nach schweißtreibenden vergeblichen Versuchen. Erste kleine Programme für die Zucht entstanden in dieser Zeit zwischen anderen Tätigkeiten wie 'Bauernhöfe freischippen' und 'Teepunsch trinken'.Und ich brauchte sie nur einmal einzutippen, der Datasette sei Dank. Ein unglaublicher Fortschritt gegenüber dem programmierbaren Taschenrechner. Der PET 2001 und der APPLE II waren für viele Nerds der große Schritt für eine neue Freiheit, für die Entwicklung neuer Arbeitsmethoden. Erst durch Heimcomputer und PC wurde es möglich, dezentral und mit der Community zusammen Systeme zu entwickeln. So revolutionär wie heute die Einführung von 3D-Drucker und CNC! Die Denk- und Produktionsstätten stehen auf einmal in der Wohnstube, nicht nur in riesigen Fabriken und Rechenzentren.

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