Na denn man los
Mein Opa sagte immer, wenn er sich aufs Rad schwang: 'Ümmer de Naes noa'. Nur selten hat er sich schon von Beginn an ein Ziel gesetzt. Aber als er mit 85 die 100 km zur Hamburger Hallig und zurück mit einem alten, einfachen Rad ohne irgendwelches Brimborium bezwungen hat, da ging es morgens los. Er hatte ja mit 80 die selbe Strecke schon mal gemacht, aber in Begleitung mit Mathies Mauderer, einem Kröger aus dem Nachbardorf, der 5 Jahre älter als er war.Kröger, genau. Wenn 2 Kröger unterwegs sind, dann sind die Etappen vorbestimmt. Dann ging es von Krug zu Krug und ohne einen Korn ging das wohl nicht.

Ich will es ihm nachmachen, wenn ich das Alter erreiche. Und bis dahin, wollte ich bis vor kurzem zumindest auf einen Motor verzichten. Aber nun: Er wohnte auf der flachen Geest, ich wohne in Angeln und habe trotz Liegeradtrike und anderem SchnickSchnack Wind und Steigung zu überwinden. Und wenn Du dann mit Deinem großen, kleinen Bruder durch Angeln und Schwansen fährst, er mit Motor auf einem Trike und ich ohne und 6 Jahre älter, dann beginnt das Reflektieren oder wie mein Opa sagen würde: Dat Spekuleeren.
Also mit einem Mad Max von Steintrikes und Motor wollte ich los. Ingrid hat dann morgens noch ein Foto geschossen und dann ging es ab die Post. Von Struxdorf nach Köln. Was haben einige meiner Lieben gedacht? 'Das schaffst Du nie.' Doch: Step by Step,Schritt für Schritt, so wie Tranquilla Trampeltreu von Michael Ende, eines meiner Lieblingsgeschichten. Von Struxdorf ging es auf bekannten Wegen Richtung Schleswig, an Boeklund vorbei, über Nübel nach Schleswig zum Berender Redder und dann durch die Stadt, die noch ganz schön viel Gehirnschmalz und Schweiss lassen muss, wenn sie einmal eine fahrradfreundlich Stadt werden möchte, Bisher ist SL das absolute Gegenteil, eine Katastrophe für Fahrradfahrer und erst recht für Liegeradfahrer. Überall Hindernisse, nirgendwo gute Beschilderung. Und obwohl ich schon oft durch Schleswig gefahren bin, habe ich mich doch auf dem Weg nach Busdorf verfahren.

Ein paar dumme Fehler gemacht, also einige Umwege in Kauf genommen! Eigentlich kenne ich mich da ja aus, fahre dort in der Gegend mit dem Fahrrad, gehe dort mit Ingrid z.B. am Haddebyer Noor nahe Haithabu spazieren. Oft haben wir in Selk unsere Hunde in Pension gegeben.
Von dort ging es dann nach Büdelsdorf, wo ich meine Schwester besucht habe. Auf dem Weg dorthin war es flach, mit schönen Aussichten auf Felder,Wiesen und Wälder. Das Dorf Rickert läßt mit seinen Bauernhöfen und Gärten die alte Zeit mit einem intakteren Dorfleben aufblitzen.

Und immer wieder auf diesem Weg Flußlandschaften aus der Eider-Treene-Sorge-Region gestreift! Wer Zeit hat sollte diese Gegend zwischen Friedrichstadt, Hollingstedt und Rendsburg mal genauer erkunden. Es lohnt sich, hier mit dem Fahrrads rumzufahren, vielleicht mal an der Eider oder Treene zu campen, sich beim Radeln an Störchen, Mooren und Flußlandschaften zu erfreuen.
Meine Schwester und Harald haben mich dann zum Fußgängertunnel gebracht, der mich auf außergewöhnlichem Wege über oder besser unter den Kanal gebracht hat. Ja, die Schwebefähre wäre normalerweise ebenfalls eine tolle Alternative, die ich auch schon auf einigen Touren mit Freude genutzt habe.
Ohne Harald und Annegret wäre ich aufgeschmissen gewesen. Von einer Strassenseite zur anderen. Von einem Radfahrwegesystem keine Spur. Hier ist es wie in vielen anderen Orten. Radfahren wird auf die Nebengleise verschoben und wenn das Hauptgleis in die Quere kommt, ist einfach Ende im Gelände.
Von hieraus ging über Jevenstedt nach Hohenweststedt. Und das ist eine durchaus anspruchsvolle Stecke. In Hohenweststedt habe ich dann Pause gemacht, mit einem jungen Mann über Liegeräder und Trikes gesprochen. Er hatte sich ein Trike selbstgebaut. Die Gegend um Hohenweststedt mit seinen Hügeln und großen Wäldern hat mich sehr beeindruckt. Was ich schon mal auf dem Weg von Minden Richtung Skagen festgestellt habe, ist, dass Hohenweststedt den besonderen Prefix nicht umsonst im Namen hat. In Hohenweststedt, mit dem schönen Dorfkern, habe ich lecker beim Ialiener gegessen, habe mit einem Liegeradtrikefan diskutiert, der wie ich auch mit einem 3D-Drucker herummacht.
Anschließend ging es dann nach Peissen. Bed und Bike sei Dank hatte ich da eine tolle Wohnung auf einem schönen alten Bauernhof.
