Peissen kennt jeder , sagte mein erster Herbergsvater auf dieser Reise, ein 73-jähriger Landwirt, der immer noch täglich in den Wald geht, um dort Holzarbeiten zu verrichten, der für die Landesforsten schon mal etliche Tonnen Buchensamen ausgebracht hat und mit freundlichem, lebensjahenden Humor ausgestattet ist. Seine Frau managed Ferienwohnungen und Ferienhaus auch in diesem Alter noch, weil sie hoffen, dass ihre Tochter aus der Schweiz zurückkehrt und das kleine Unternehmen übernimmt. Vieles habe ich beim Frühstück erfahren. Und einige Wochen später, war eines der Themen als Reportage im SH-Magazin: Die alten Bunker der Bundeswehr, die jetzt zu Fledermausquartieren umgebaut werden. Mein Herbergsvater war dabei.

Verquatscht, schnell wurde aus der angesetzten halben Stunde fürs Frühstück eine Stunde. Also bin ich erst um 9:00 Uhr gestartet. Und kaum hatte ich Peissen verlassen, den Fahrradweg auf der 77 erreicht, da tat sich der Himmel auf und es schüttete aus Eimern. Hurtig fand ich einen noch halbwegs trockenen Platz unter einem Baum. Dort habe ich mein VELTOP Verdeck aufgebaut und mich in Regenklamotten gehüllt, denn Regen ist beim Liegerad auch von unten grausam. In dieser Montur und Ausrüstung ging es bei starkem Gegenwind und Regen weiter. Mehrere visuelle Lichtblicke kamen von der Straße. Mehrere Oldtimer-Traktoren mit Wohn- oder Bauwagen aus SL kamen mir entgegen. Das freundlichen Winken vom Traktor habe ich erwidert. Und bald ließ der Regen nach, so dass ich wieder sehr angenehm und entspannt gegen den Wind fahren konnte.
Einblicke in eine waldreiche Landschaft mit vielen Laubbäumen! Vielfalt statt Einfalt. Daran arbeiten die Forstbetriebe, auch davon hat der alte Bauern mir viel erzählt.

Irgendwann auf dem Weg ging es dann nach Itzehoe,gestreift. Vielfältige , unterschiedliche Eindrücke hat Itzehoe hinterlassen. Und wieder einmal hat die Stör einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Schon einmal bin ich von der Wilstermarsch aus ein gutes Stück an der Stör entlanggefahren, habe diese Landschaft genossen. Jetzt aber geht es weiter Richtung Elbe, aber erst einmal muß ich noch durch Elmshorn. Hier hat man noch nicht viel davon mitbekommen, dass Fahrräder zum Verkehr gehören. Wie in vielen Städten, die ich auf dieser Reise durchquere, stelle ich hier fest, dass ich heftigst ausgebremst werde, Ampeln, unklare Wegbeschreibung, Baustellen, die mit dem Trike nur schwer passierbar sind.
Auch in Uetersen ging es mir nicht viel besser. Wedel, dann Richtung Elbe und dann immer an der Elbe entlang nach Blankenese. Da wollte ich immer einmal hin. Auch so ein Ort, von dem in meiner Jugend immer wieder die Rede war. Hier war mein Vater bei seiner Tante einquartiert, um hier zur Schule zu gehen, bis es im 2.ten Weltkrieg immer gefährlicher wurde dort zu leben. Hier hat mein Vater seine Liebe zum Fußball entdeckt und gegen die beiden Dörfels Fußball gespielt. Tante Linksaußen wurde er genannt. Seine Tante kam dann bei einem Bombenangriff ums Leben. Mein Vater hat von Blankenese immer geschwärmt. Der Weg an der Elbe von Wedel nach Blankenese war atemberaubend, immer wieder Blicke auf die Elbe , Riesenpötte, große Laubbäume säumen den Strand, auf der anderen Seite am Hang Villen, Herrschaftshäuser.

Auf dem Weg Menschen, Familien, Jogger. Es wurde flaniert und entspannt. In der Nähe der Fähre finden sich Restaurants und Cafes. Die Fähre sollte eigentlich nach Crantz übersetzen, wegen des Niedrigwassers ging es dann aber zum Rüschpark.

Auf der Fähre habe ich eine begeisterte Radfahrerin gesprochen, die den Elberadweg fuhr. Ich bin schon oft von Wischhafen übergesetzt. Immer wieder ein Innehalten, den Blick schweifen lassen, Elbluft einsaugen und träumen. Wieviele Träume? Von Hamburg aus in die Welt, vielleicht erfolgreich oder enttäuscht wieder zurück in die Heimat. Der Rüschpark ist toll und von dort aus Airbus vorbei nach Neu-Wulmstorf fährt es sich vorzüglich. Erst ein neuer, schöner Radweg, dann ein Feldweg durch Heide und Moor, Schafe,ja sogar eine Herde Wasserbüffel. Ich habe zwei Lieblingsdichter aus SH. Theodor Storm und Klaus Groth. Ich bin in die Theodor-Storm-Straße gefahren, mein Smartphone fast leer und dann war es doch die Klaus-Groth-Straße, in die ich mußte. Man wird alt.
