Von Struxdorf nach Köln
Nun bin ich bereits 4 Tage geradelt, gestrampelt, habe genossen, habe gekämpft. Gekämpft gegen den Wind,Sturm, gegen unzumutbare Radwege, gegen die Anhöhen, gegen die Entfernung. Genossen das Grün, die Auen und Wiesen entlang der kleinen Flüsse, die Seen, die kleinen Dörfer und kleinen Städte. Erfreut habe mich an dem Besonderen unterwegs: Die Ponykutsche auf dem Radweg, Einmal habe ich 3 Trecker mit SL-Kennzeichen mit Wohnwagen kurz hinter Hohenweststedt getroffen, einmal einen Traktor mit ausgebautem Wohnwagen bei Rothenburg. Störche, Bussarde, Habichte, wasserbüffel ... Besonders toll fand ich die Strecke am Dümmer entlang und dann südlich des Dümmers durch eine faszinierende Fluß- und Moorlandschaft. Aber auch die Gegend um Hohenweststedt, an der Elbe, von der Fähre nach Neu Wulmstorf hat viel Spaß gemacht.

Inzwischen bin ich längst wieder zu Hause und es ist Zeit, die Tour Revue passieren zu lassen. Meine 3 Söhne habe ich getroffen, bei Ihnen etwas kürzer oder länger Station gemacht, mit meinen kleinen Enkelkindern gespielt, gewandert, den Allwetterzoo besucht, Früchte und Gemüse geerntet, Pflanzen begossen, bei 38 Grad geschwitzt, der mir entgegenkommende Windestärke 6 getrotzt, 850 km habe ich laut Tacho zurückgelegt. Oft 60-80 km ohne Tacho gegen den Wind angetreten, um dann für die letzten 50-70 km auf Turbo zu schalten. Verzweifelt habe ich bei Gegenwind und Steigung gedacht, dass ich langsam zu alt werde, um dann bei Windstille zu erfahren, dass ich es vielleicht doch noch drauf habe. Die Übernachtungen mit Bett und Bike waren immer wiederkehrender Genuss. Da war die Schlafkammer in Orsoy, die alten Bauernhöfe in Westerkappeln, Bassum und Peissen. Jedesmal ein neues Ankommen, gute Unterhaltung, informative Gespräche über landwirtschaftlichen Strukturwandel, Klima und ökologische Herausforderungen. Unterschiedliche Sichtweisen. Unterschiedliche Sichten auf Landschaft und Verkehr, auf Dörfer und Städte. Da waren die tollen Landschaften mit extensiver Bewirtschaftung, viel Natur, mit Hofläden und Hühnermobilen, mit Wasserbüffeln, Störchen, Reihern, kreisenden Raubvögeln. Da waren Städte wie Osnabrück und ein wenig auch Verden, wo das Radfahren ein Genuss war. Überhaupt Osnabrück von Westerkappeln aus nach Lengerich zeigt, was mit moderner Verkehrspolitik gemacht werden kann. Und dass es Endorfine freisetzen kann. Freude pur. Aber dann waren da auch die vielen Dörfer und Städt, wo sich keiner darüber Gedanken macht, dass auch Fahrradfahrer Verkehrsteilnehmer sind und Strecke machen wollen. Würde ich am Reittunier teilnehmen, würde ich diese Parcours, die Dich als Fahrradfahrer zur Verzweiflung bringen und ausbremsen, vielleicht lieben. Angefangen mit Schleswiǵ und Rendsburg, Elmshorn, Pinneberg, Nienburg,... waren die Städte eine Katastrophe. Und auf der Strecke konnte man auch den Landschaftswandel beobachten. Ich habe immer gedacht besonders in SH gibt es viele grosse Monokulturflächen. Aber der Norden von Niedersachen hat mich belehrt. Oft genug fand ich kilometerlange Felder bis zum Horizont. Und in Bassum habe ich erfahren, dass es immer noch Flurbereinigungsprojekte gibt, wo man Felder zu bis zu 80 ha grosse Felder zusammenlegt.
Leider habe ich das Tracking an einigen Stellen unterbrechen müssen, da ich ab und an etwas schusselig war oder der Akku vom Smartphone nix mehr her gab.
