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Mandalay Irrawaddy

Veröffentlicht am 2019-11-20 00:00:00.0


Mandalay Irrawaddy

Mandalay, ein Fluß, viele Welten

Vom Tempel aus bin ich einfach nicht weiter nach Norden gegangen, sondern zum Fluß Irrawaddy. Nach der Karte hatte ich erwartet, dass er ein paar Meter entfernt wäre. Aber ich konnte mich auf einige Schritte einstellen. Und ich habe gesehen, dass Mandalay außerhalb des Zentrum schon anders organisiert ist als in diesem quirlligen, übequellenden Zentrum. Hier ist mehr Platz, hier stehen Palmen, Akazien. Kleine Gärten sind ab und zu finden.

Wer aber glaubt, dass hier Sonntags nicht gearbeitet wird, sollte wie ich eines anderen belehrt werden. Überall geschäftiges Treiben, harte schweißtreibende Arbeit wie Eisenbiegen

oder auch Holzsägen bei fast 35 Grad im Schatten. Auf allen möglichen Gefährten vom LKW bis zum Fahrrad wurden Mensch, Tier und Material transportiert.

Und das in der Nähe der einzigen Kirche, die ich bisher in Myanmar gesehen habe. Und als ich diesen Platz und die Häuser drum herum erwischt habe, dachte ich, dass ich endlich mal in ein nobleres Viertel von Mandalay komme. Gerade holten Mütter und Vater ihre kleinen Kinder aus der Kirche ab. Gerne hätte ich mehr fotografiert. Abe mein Smartphone hat sich fortwährend wegen der hohen Temperatur abgeschaltet und die Batterien meiner Spiegelreflex haben versagt. Ich Trottel: Um Gewicht zu schonen, habe ich ganz zum Schluß noch das Ladegerät wieder ausgepackt. Nun sind die Akkus leer.

Die Häuser direkt neben der Kirche machten einen guten, belebten Eindruck.

Weiter ging es aber zum Wasser. Und dort war ich dann doch überrascht wie viele Gegensätze sich auf wenigen Metern begegnen. Neu, schön und gewaltig, vielfältige Natur und Kultur, Sorgfalt und Achtung vor einem Baum auf der Straße und dann ein Elend wie ich es bisher selten mit eigenen Augen gesehen habe. Eine einsame Murmel auf der Straße, hier vielleicht ein besonderes Spielzeug, Schweine unter den Hütten am Fluß und verdreckte Nebenarme des Irrawaddy, ein beispielloses Schauspiel von Gegensätzen. 'on the road to Mandalay', singt Frank Sinatra. Ein Jazzsong. Was könnte besser passen als ein Jazzsong, um die Sehnsucht eines Menschen auszudrücken, dort zu sein bei seiner Liebsten, bei diesem vollen Leben. Und doch war es für diesen Soldaten ein 'River of no Return'. Keine Rückkehr möglich! Man könnte den Kolonialismus für vieles hier anklagen, aber vielleicht gibt es ja eine hoffnungsvolle Zukunft für dieses Land mit so vielen Potentialen .

Vieles scheint hier auf einem guten Weg, aber das Gesehene hat mich doch getroffen. Und ich habe während der gesamten Zeit am Fluß, ca 4-5 km nur zwei Europäer gesehen, die wie ich die Gegend erkundet haben. Und es gibt auch hier schon so viele geführte Reisen zu den vielen kulturellen Highlights und Naturschauspielen, aber kaum einer geht abseits dieser Wege.

Ich denke, dass die folgenden Bilder für sich sprechen und zeigen, was für Potential Mandalay hat, aber auch wo noch vieles zu tun ist.

Schmuckbeladene Tore, Skulpturen, Gebäude neben schmutzigen Wegen, die nichts desto weniger atemberaubende Ausblicke auf den Irrawaddy boten. Machtvoll, besonnen, von der Sonne beschienen und ruhevoll lag er da, ausgebreitet wie ein uralter Baum mit seinen Flußarmen, die wie mächtige Äste in die Stadt und in das Land verzweigen. Was störten ihn die wenigen Schiffe, die wie Nußschalen auf seinen Gewässern entlangglitten.

Die zusammengebundenen, aufs Wasser gelegten Bretter einer Brücke zu einer Insel schienen sich kaum zu bewegen. Die Arbeiter, die dort nach dem Rechten sahen, hatten unbeobachtet ihre Mopeds und Fahrräder audf den Planken stehen. Ein seltsames Spiel zwischen Mensch, Fluß, Natur, Licht und Sonne ließ mich in Ehrfurcht verweilen.

Diese gewaltigen Farbspiele, die auch auf den Fotos noch erkennbar sind, diese kräftigen Farben: Möchten sie sagen, wir sind das Leben, wir sind Euch Menschen mit Eurer Technik, Eurer Gier nach immer Mehr weit überlegen. In jedem kleinen Augenblick, auch an dem entlegensten Ort Welt findest Du alles in jedem kleinen Augenblick, in jedem Sandkorn, in jedem Menschen, in jedem Wesen. Die jungen Menschen aus Myanmar, seien sie auch noch so gebildet, haben noch keinen Anlaß gesehen, andere Länder zu besuchen, viel zu reisen. Sie pilgern Woche für Woche zu ihren Familien und in ihre Tempel.

Ja das ist armes Leben in diesen Slums. Wie kann man dort überleben, frage ich mich. Welche Aussichten haben die Kinder, die dort aufwachsen müssen? Ich sollte nicht urteilen! Ich habe Kinder und Erwachsene im Fluß baden sehen. Vergnügen hat man dann vielleicht auch. Ich weiß nicht, ob sie von der Gesellschaft links liegen gelassen wurden oder ob sie mit ihrem Leben zufrieden sind. Aber wenn ich sehe mit welchem Elan die Menschen hier auch bei sengender Hitze arbeiten, dann denke ich schon, dass viele von ihnen ein wenig mehr Wohlstand verdient hätten.

Hier begrüßt Dich jedes Kind total freundlich mit Hello und strahlt Dich an. Aber keines der Kinder belästigt Dich. Man hat das Gefühl, dass sie sich wirklich freuen, Dich hier zu sehen. Warum auch immer.

So liebevoll haben sie diesen Baum auf der Straße vorm Abholzen bewahrt:

Und die verlorene Murmel auf der Straße als eine Hoffnung für die junge Generation, wie sie auch im TPTC heranwächst und gefördert wird.

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