Mitmachcafe: Zur Motivation oder Wie es anfing
Ende Juli habe ich bei einem Tauschringtreffen einen kleinen Brief an den Tauschring Süderbrarup vorgelegt. Wir begannen zu diskutieren und es entstanden zwei eigenständige Initiativen, die sich mit ökologischem Einkauf und mit einem Mitmachcafe auseinandersetzen wollten. Beim Stöbern im Internet wuchs das Wissen über bestehende Initiativen wie das Repaircafe und das OTELO-Konzept** . Danach kann dann die Initiative zum ökologischen Einkaufen, gut als ein kreativer Raum in das Mitmachcafe eingebunden werden. Hier folgt der Brief, der ein Stück weit zeigt, welche Motivation sich hinter der Initiative verbirgt.
Welche Perspektive hat der Tauschring Süderbrarup
28.7.2015
Liebe Tauschringfreunde vom Tauschring Süder
Viele von uns waren sichtlich enttäuscht als zum 'Tag der offenen Tür' so wenig Besucher kamen. Mich persönlich hat nicht so sehr die Frage beschäftigt, ob es einen Bedarf für den Tauschring gibt. Denn davon bin ich überzeugt. Es waren andere Fragen, die dieser Tag für mich bereit hielt. Da sind zunächst einmal die persönlichen Fragen:
Warum bin ich im Tauschring?
Was bringt der Tauschring mir persönlich für Vorteile?
Nun, ich bin im Tauschring, weil ich denke, daß der Tauschring für das ländliche Zusammenleben und für eine nachhaltige Daseinsvorsorge auf dem Lande wichtig sein kann, und das möchte ich gerne unterstützen. Und persönliche Vorteile bringt es mir auch, weil ich merke, daß ich im Tauschring Gleichgesinnte finde, Freundschaften schließen kann und sicherlich auch Spaß haben kann. Das ist toll und bereitet mir große Freude! Ich habe aber auch das Gefühl, daß die Gefahr besteht, daß der Tauschring personell austrocknen könnte, wenn wir nicht über unseren Schatten springen, und uns anders vernetzen. Dazu später! Ich glaube, viele von uns sind im Tauschring, weil sie gerne helfen möchten, nicht so sehr, weil sie selbst Hilfe brauchen, z.m. noch nicht. Wo aber bleiben die, die Hilfe suchen und brauchen? Wo bleibt ein fruchtbarer Austausch zwischen uns allen? Sieht man in uns Spinner oder Esoteriker? Ich glaube, wir sollten überdenken, wie wir den Tauschring erfolgreich machen , und unserem Ziel (wenn es denn unser gemeinsames Ziel ist) näher kommen können. Dazu möchte ich zunächst einmal meine Erwartungen schildern.
Meine Erwartungen
Zunächst hoffe ich, daß ich auch im fortschreitenden Alter vom Tauschring profitieren kann.
Dann sind da die ökologischen Punkte.
- Kein Plastik - Produkte erhalten ohne Wahnsinnsverpackung. Darum möchte ich gemeinsam mit anderen ein Konzept entwerfen, wie man anders einkaufen kann!
- auf dem Markt. Ingrid und ich versuchen in letzter Zeit mit dem Fahrrad nach Schleswig zum Markt zu fahren und so weit es geht auf Platik zu verzichen.
- z.B. auf den Bauernhöfen, ohne viele Autokilometer zurücklegen zu müssen. Auch da bin ich dabei Fahrradtouren auszuarbeiten. Aber: Reicht das?
- Gute, gesunde Produkte erhalten, ist mir dabei wichtig, aber viel wichtiger ist mir nachhaltiges Wirtschaften, also ökologisches Wirtschaften. Und Biokartoffeln aus Ägypten sind für mich ein absolutes NoGo.
- Reparieren statt Neukaufen , wenn es um die Hilfsmittel des täglichen Alltags geht. Und da kann ich sicherlich auch helfen, denn so mancher alter Rechner, der mit den neuen Windows-System nicht mehr funktioniert, geht mit Linux. Und braucht man einen kleinen Rechner, der kaum Energie verbraucht, sind embedded Linux-System top. Eine Art Reparaturcafe wie Schleswig betrieben vom Tauschring, wäre m.E. eine tolle Idee. Dort könnte man dann viele zusätzliche Dinge unterbringen. Gemeinsam handarbeiten, gemeinsam handwerken, gemeinsam
- Resourcen sparen, z.B durch das gemeinsame Bereitstellen von Maschinen oder durch den gemeinsamen Bau eines Pelettsilos, damit ich keine Plastiksackware kaufen muß. Daraus könnte man ein Happening machen wie Gudrun das ja bereits mit dem Hochbeet gemacht hat. 4.Selbst produzieren: Dazu bräuchte ich ein Gewächshaus. Ich denke da z.B. an einen Geodome, den man gemeinsam bauen könnten. Ein anderer Tauschring hat das bereit vorgemacht. Aber Ingrid und ich brauchen auch mehr Know How, um selbst Dinge zu produzieren und zu verarbeiten. Wir leben hier im ländlichen Raum und da gibt es noch viele, die die alte naturnahe Produktions- und Ernteverfahren kennen. Das selbe gilt für die Herstellung von Möbeln etc., wobei ich das auch gerne selber machen möchte, aber mit anderen Leuten zusammen, weil es eben mehr Spaß macht und hilft, zusätzliches Know How zu erwerben. Resourcensparen kann man auch durch DIY-Initiativen, die z.B. im Internet angezeigt werden und z.B. dabei helfen, Energie zu sparen.
- Dann ist da die soziale Komponente:Wir haben uns schon einmal darüber Gedanken gemacht, wie wir Flüchtlinge integrieren können, aber zunächst ohne Resultat. Von den Paten weiß ich, daß die Flüchtlinge ausgesprochen nett und hilfsbereit sind und über viele Kenntnisse und Fertigkeiten verfügen. Und es würde Ihnen helfen, wenn sie kleine Dienste anbieten könnten ! Gerade auf dem Lande gibt es viele alte Mitbewohner, die unsere Hilfe brauchen , weil sie bestimmte alltägliche Aufgaben nicht mehr bewältigen können und weil sie sonst vereinsamen. Oft wird dies auf dem Lande durch Nachbarschaft und Verwandtschaft aufgefangen, aber es gibt sicherlich auch viele, die diese Unterstützung nicht haben. In dem Gespräch mit dem Süderbraruper Bürgermeister hatte ich den Vorschlag gemacht, die Gemeinde als Tauschpartner zu gewinnen. Obwohl die Idee gut aufgenommen wurde, ist danach nichts gefolgt.
- Vernetzung der Vereine. Ich glaube, hier liegt die große Herausforderung. Immer noch grenzen sich viele Vereine gegeneinander ab, viele betonen die Differenzen, aber es gibt doch ein großes Gemeinsames, gerade angesichts der Herausforderungen auf dem Lande, sollte klar sein: Wir sitzen in einem Boot. Durch das Zusammenwirken mit den anderen Vereinen können wir m.E. viel mehr bewirken.
Vorschläge
Ich hoffe, daß wir uns einig sind, das es eine der vordringlichsten Aufgaben ist, die Flüchtlinge zu unterstützen und zu integrieren. Vielleicht kann hier der Tauschring helfen und auch an der Flüchtlingsarbeit partizipieren.
- Wenn wir es schaffen würden, einen Treff zu organisieren, wo Know How ausgetauscht, repariert , getischlert , gestrickt und gebaut wird, wo Werkzeuge ausgeliehen werden können, dann könnten wir den Tauschring viel lebendiger gestalten und zur Integration von Benachteiligten beitragen. Vielleicht kann man ja sogar gemeinsam einen Garten anlegen oder einen Bauernladen aufmachen, wo u.a. Waren von den Bauernhöfen bestellt und abgeholt werden können.
- Wenn wir die anderen Organisationen und Vereine am Ort zur Gestaltung eines Markts der Möglichkeiten einladen, könnten wir mit ihnen ins Gespräch kommen, mit ihnen den Austausch von Wissen und den Tausch von Diensten etc. besprechen und Konzepte entwickeln, wie wir den Tauschgedanken weiterentwickeln und in die Gemeinden tragen können, zum Wohle aller. Der Markt der Möglichkeiten könnte dann dazu dienen, die Ergebnisse zu präsentieren, zu zeigen was die Vereine im Zusammenwirken aller zum Gemeindeleben beitragen könnten. Das wäre breitaufgestellt und sollte die Gemeinde interessieren und sollte dazu beitragen, daß Schwellenängste abgebaut werden und man Lust bekommt, am austauschenden Gemeindeleben teilzuhaben.
Diese Vorschläge stellen keine fertigen Konzepte dar. Aber vielleicht können sie Kristallisationspunkte für eine Ideensammlung und für die Entwicklung von 2-3 germeinsamen Konzepten für die Tauschringentwic klung sein.
